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Westfälischer Friedenspreis für Barenboim PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Baraka   
Sonntag, den 31. Oktober 2010 um 00:39 Uhr

Der Dirigent und Pianist Daniel Barenboim und das Orchester "West-östlicher Divan" (West-Eastern Divan-Orchestra) haben den Westfälischen Friedenspreis erhalten. Die Auszeichnung des weltbekannten Musikers und seines Orchesters fand am Samstag im Friedenssaal des münsterischen Rathauses statt. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis, den die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe alle zwei Jahre verleiht, wurde in diesem Jahr erstmals einem gemeinsamen Projekt gewidmet.

Zusammen mit dem palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward Said hatte Barenboim im Jahre 1999 das West-Eastern Divan-Orchestra gegründet. Es setzt sich aus jungen Musikern aus Israel, den palästinensischen Autonomiegebieten, Libanon, Ägypten, Syrien, Jordanien und Spanien zusammen.

Auch die Auszeichnung mit dem Westfälischen Friedenspreis steht ganz im Zeichen von Verständigung und Dialog. Mit der Preisverleihung wird das Bemühen Barenboims für die Annäherung zwischen Israelis und Palästinensern mittels Musik gewürdigt.

Der Vorsitzende der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe sagte der "Münsterländischen Volkszeitung": "Die Passion, die Opferbereitschaft und auch der Mut, den die jungen Musikerinnen und Musiker verschiedener Kulturen trotz gelernter Feindschaft aufbringen, um den Frieden im Nahen Osten ein kleines Stück näher zu kommen, hat uns zu diesem Schritt bewogen."

Der Westfälische Friedenspreis will die Erinnerung an die Leistung des Friedens von 1648 aufrechterhalten. Nach dem verheerenden religiös motivierten und legitimierten 30-jährigen Krieg, in dem protestantische und katholische Aristokratie um die Macht in West- und Mitteleuropa kämpften, begann mit dem sogenannten Westfälischen Frieden in Münster und Osnabrück eine neue Herrschaftsära. Reformatorisch-calvinistische Geisteshaltung war zu einem fundamentalen Bestandteil abendländischer Kultur geworden. Mit nicht weniger verheerenden und bis heute anhaltenden Folgen, wie der Glaubenskrieg zuvor.

Auch unter diesem Aspekt muss der Friedenspreis jedoch gesehen werden. Preisträger wie der Verbrecher Helmut Kohl zeugen nicht unbedingt von moralischer Kompetenz und Konsequenz der Preisverleihung. Scheinbare Verdienste um die Einigung Europas müssen stark relativiert werden, angesichts der Tatsache, dass die EU  primär kein einheitliches und friedliches Kultur-, sondern ein totalitär-bürokratisches Herrschaftskonstrukt ist.

Ebenso unseriös wirkt auch die Einladung von Laudatoren wie Guido Westerwelle, der bei der gestrigen Auszeichnung Barenboims zugegen war. Die leeren, pharisäischen Plattitüden und Phrasen des hysterisch-paranoiden, sozialrassistischen und menschenhassenden Volksverhetzers sind keine Erwähnung wert.  

Barenboim fühlte sich indes geehrt und freute sich insbesonders über den musikalischen Bezug der diesjährigen Preisverleihung. "Wenn man in der Welt über Frieden spricht, spricht man entweder über politische oder im besten Fall noch über wirtschaftliche Leistungen - etwa bei einem Preis für wirtschaftliche Beziehungen. Aber der Preis für das Orchester und mich ist ein Preis für Arbeit durch Kultur", so Barenboim gegenüber der "Münsterländischen Volkszeitung".

Für seine vielfältigen Bemühungen um die Annäherung und Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern und seinen Einsatz für Toleranz und Völkerverständigung und gegen Fremdenfeindlichkeit hat Barenboim bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Im Jahre 2002 bekam er gemeinsam mit Edward Said für seine Verdienste um die israelisch-palästinensische Aussöhnung mit dem Prinz-von-Asturien-Preis. 2008 wurde ihm für seinen Einsatz für das palästinensische Volk und einen Frieden zwischen Israelis und Palästinensern die palästinensische Ehrenstaatsbürgerschaft verliehen

2006 erhielt Barenboim den Hessischen Friedenspreis und den Friedenspreis der Geschwister Korn und Gerstenmann-Stiftung. 2007 zeichnete ihn das Goethe-Institut für sein "Engagement für den grenzüberschreitenden Austausch insbesondere junger Musiker“ mit der Goethe-Medaille aus. Im vergangenen Jahr bekam Barenboim die Moses Mendelssohn Medaille des Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien, und den Markgräfin-Wilhelmine-Preis der Stadt Bayreuth für Toleranz und Humanität in kultureller Vielfalt überreicht.

Barenboim ist seit 2007 Musikdirektor an der Mailänder Scala, und bereits seit 1992 Generalmusikdirektor der Staatsoper "Unter den Linden" in Berlin. Darüber hinaus wirkte er von 1981 bis 1999 auch als Dirigent der Bayreuther Festspiele, wo er die Wagner-Opern "Tristan und Isolde", "Die Meistersinger von Nürnberg", "Parsifal" und die Tetralogie "Der Ring des Nibelungen" dirigierte. Der Komponist Richard Wagner besaß eine ausgeprägt antijüdische Gesinnung und war einer der ideologischen Ziehväter Hitlers. Barenboim schätzt Wagner musikalisch als großen Komponisten.

 

 

Sein Orchester "West-östlicher Divan" wurde nach der umfangreichsten Gedichtsammlung Johann Wolfgang von Goethes benannt. Viele der Gedichte gehen auf die Briefwechsel Goethes mit seiner Muse Marianne von Willemer zurück, die selbst einige Gedichte des Divan verfasste. Hintergrund des Gedichtbandes ist eine Sammlung persischer Lyrik, die Goethe von dem Verleger Johann Friedrich Cotta erhalten hatte.

Sie enthielt unter dem Titel "Der Diwan des Mohammed Schemseddin Hafis" die deutsche Übersetzung von Gedichten des vor 700 Jahren lebenden persischen Dichters Hafi. Sie bewirkten oder verstärkten Goethes heutzutage meist ignorierte oder verschwiegene Affinität zum Islam, und veranlassten ihn zum Verfassen seines eigenen Werkes "West-östlicher Divan". Unter Muslimen geistert gar die Theorie um, dass Goethe Moslem gewesen sei.

 

 

Anhand seiner Äußerungen lässt sich sein Interesse und seine Begeisterung für den Islam aber eher vor allem auf den Bereich islamischer Mystik, den Sufismus eingrenzen. Goethe war ohnehin stark von pantheistischen und monistischen Vorstellungen geprägt, und sah diese in islamischer Religiosität besonders eindrucksvoll widergespiegelt, während er das dreieinige Gotteskonstrukt des institutionalisierten Christentums, insbesondere in seiner Form der Verehrung eines Gekreuzigten als abstrus und unwürdig ablehnte.

Seine Kritik am konfessionellen Christentum und dessen Gottesbild nimmt bereits Elemente vorweg, die später auch bei Nietzsche auftauchen, der das kirchliche Christentum als "Sklavenmoral" erkennt und ablehnt. Goethe ist es zu verdanken, dass der Islam bereits seit langem in der abendländischen Gesellschaft verwurzelt ist, und keineswegs nur als Widerspruch zu abendländischer Kultur zu betrachten ist.

Dies ist umso bedeutender, als dass gerade derzeit rassistische Verschwörungstheorien und Demagogie Hochkonjunktur feiern, die sich als Kompensation der Unzulänglichkeit westlicher Kultur den Islam als Feindbild aufbauen und damit die Gesellschaft polarisieren und spalten. Durch dieses einfache und klassische Prinzip des Aufhetzens von Menschen gegeneinander, legitimiert und stärkt sich das bestehende, immer totalitärer werdende abendländische Herrschaftsgefüge.

Herrschaft beruht immer auf Gewalt, während Freiheit, erst recht in ihrer politischen Form als Demokratie, nur aus innerem, statt äußerlich-obrigkeitsstaatlich erzwungenen Frieden hervorgehen kann. Im Gegensatz zum pharisäischen Moralismus abendländischer Machtdoktrin hat sich der Islam in der Geschichte als wesentlich toleranter, und trotz seines religiös motivierten Eroberungsdranges auch friedlicher erwiesen und verhalten, als es die korrupte und parasitäre abendländische Kultur, unter ihren derzeitigen Bedingungen calvinistischer und (neo-)liberaler Kulturprägung auch nur im Ansatz sein könnte.

 

 

 

 

 

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