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Die Angstsucht des Wohlstandsbürgers PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Baraka   
Sonntag, den 20. März 2011 um 08:18 Uhr

Die Welt blickt weiter gespannt nach Japan. Der massenmediale Katastrophen-Journalismus und die Angstsucht des deutschen Wohlstandsbürgers wird lediglich von den Ereignissen in Libyen abgelenkt. Die Naturkatastrophe in Japan hat allerdings ein Schreckgespenst zum Leben erweckt, das auch vor der eigenen Haustüre umher spukt, und somit wesentlich mehr unmittelbare Betroffenheit weckt.

Die atomare Bedrohung nämlich, welche die notwendige und lange überfällige Kritik an der Atomenergie massenkompatibel, aber auch zu einem Politikum gemacht hat. Mit der die angstsüchtige Gesellschaft des Landes wie durch jedes andere Politikum auch gespalten, und damit auch politisch weitestgehend handlungsunfähig gemacht wird. Genau dies wiederum ist die Herrschaftslegitimation eines mindestens autoritären, wenn nicht totalitären Machtapparates.

Wenigstens aber haben sich die politischen Hampelmänner des deutschen Obrigkeitsstaates durch ihren teils blinden, teils aber auch machtpolitisch berechnenden Aktionismus - konkret aufgrund der Durchschaubarkeit und Verlogenheit des Aussetzens der Laufzeitverlängerungen -, ziemlich bereitwillig selbst der Lächerlichkeit preis gegeben und damit zukünftig vielleicht auch einen Teil ihrer Machtgrundlage verspielt. 

Grundsätzlich aber sind es derartige überwiegend konzertierte, erst wie auf Knopfdruck stattfindende Debatten, und die dafür meist ursächlichen, hautnah miterlebbaren Geschehnisse, wie etwa die aktuellen in Japan, oder auch die in Libyen, welche die charakteristische geistige und psychische Verfassung des ökonomisch dressierten, liberalen Bürgertums bedienen und wiederspiegeln.

Nämlich die in ihm tief verwurzelten, und es prägenden Ohnmachts-, Angst- und Schuldgefühle. Das Lebensgefühl und die Lebenslüge dieses Wohlstandsbürgertums ist das permanente Empfinden von Bedrohung, eines Ausgeliefertseins, eines überall lauernden Grauens, der unentwegten Gefährdung von Ordnung und Sicherheit, und der Sehnsucht nach geborgener Unterwürfigkeit, die der Wohlstandsbürger erst als Freiheit empfindet.

Im Wanken oder im (Beinhahe-)Kollaps politischer oder ökonomischer Ordnungen, oder in (Natur-)Katastrophen, bestätigt sich dieses Lebensgefühl, ebenso auch die Ohnmacht, die es begleitet. Und der Hass und die Gewalt, oder der aufgescheuchte Aktionismus, oder aber auch völlige Selbstaufgabe und Unterordnung, welche diese Ohnmacht anschließend zu kompensieren versuchen.

Der Zwang zur unentwegten Bestätigung dieses wohlstandsbürgerlichen Lebensgefühls mündet in der regelrechten Sucht nach dieser Ohnmacht und der Angst, die sie auslöst. Sie erst macht das Wohlstandsbürgertum zum begierigen Rezipienten all der vom massenmedialen Propagandaapparat der bürgerlich-obrigkeitsstaatlichen Herrschaftsordnung unentwegt verbreiteten Paranoia, Verschwörungstheorien, Skandale und (Natur-)Katastrophen.

Begleitet wird diese Propaganda von einem kompensatorischen, ablenkenden Unterhaltungszwang, der stetig ebenso ausufert, wie auch die Angst-Berichterstattung - und die schließlich auch zunehmend verschmelzen. Und damit wiederum die Massenpychose, die kollektive Schizophrenie des Wohlstandsbürgertums gewissermaßen auf die Spitze treiben.

Mit Zurechnungsfähigkeit und Rationalität aber geht dabei auch die Freiheit zugrunde. Einzig und allein das Gegenteil eines freiheitlichen Rechtsstaates, eine obrigkeitsstaatliche Herrschaftsordnung nämlich, profitiert von der systematischen Irrationalisierung durch Verängstigung, Täuschung und Ablenkung der Menschen. Durch inszenierte, stilisierende, aufgebauschte, ausufernde (Pseudo-)Berichterstattung auch und gerade von (Natur-)Katastrophen.

Konkret Naturkatastrophen, als Gegensatz also zu menschlich verursachten Katastrophen, bilden propagandistisch aber durchaus auch eine Ausnahmeerscheinung. Denn durch diese kann die Gesellschaft nicht unmittelbar polarisiert und gespalten werden. Nämlich durch passende Feindbilder und Sündenböcke außerhalb des Wohlstandsbürgertums. Dafür aber kann die ganze Welt und das Leben selbst zum Feindbild gemacht werden.

Zur Bedrohung des Wohlstandes und der Privilegien eines rückgratlosen, angepassten Untertanen-Bürgertums, das sich anschließend in einen Stellvertreter-Obrigkeits-Wahn flüchtet, wenn es seine Ohnmacht autoritär zu kompensieren versucht - und dies mangels Vernunft und Bildung dann auch noch für Demokratie hält. Dabei das Leben selbst zu dämonisieren ist bisweilen noch effektiver.

Für eine Herrschaftsordnung nämlich, die sich moralistisch und technokratisch legitimiert, etabliert und expandiert. Die Welt ist böse und schlecht und der Mensch höheren Mächten ausgeliefert, lautet die Botschaft. Und die Erlösungsdoktrin ist die Illusion der Selbstverwirklichung durch Selbstdisziplinierung, durch Unterwerfung unter einen obrigkeitsstaatlichen und ökonomischen Herrschaftsapparat und dessen Moraldoktrin. Mittelalter im 21. Jahrhundert.

Aber warum sollte man sich beschweren, oder daran gar etwas ändern - solange man sich so hinreißend ergötzen und gruseln kann, wenn die Natur dem Menschen klar macht, dass er sie niemals vollständig beherrschen kann (und darf). Wenn fernab der Heimat die Erde bebt und mächtige Wellen das Land überrollen. Hoffentlich nur nicht wieder idyllische Strände. Denn säkulare Wohlstandsbürger brauchen ein Paradies auch bereits auf Erden.

Erst recht, wenn er nicht nur durch die Natur, sondern durch seinen eigenen Lebensbetrug bedroht wird. Durch seine Selbstentmündigung und Selbstauslieferung an einen technokratischen Ökonomismus, der sich als Fortschritt und Modernität maskiert, um sein totalitäres Wesen zu verbergen, und es vielmehr in ein schizophrenes Freiheitsversprechen, in das moralistische Ideologie-Surrogat des Liberalismus zu hüllen. Auf diese Weise schafft sich der Mensch seine eigenen Katastrophen.

Auch seine atomare Nemesis. Aber solange der Wohlstandsbürger seine Lebenslüge und seine falschen Fortschrittsversprechen hat, und seine unzerstörten, unverstrahlten Paradiese, braucht er schließlich keine Freiheit und Souveränität. Freiheit, die sich aus humanistischer, statt liberaler Vernunft ableitet. Eine Freiheit, welche die Gemeinschaft am Wohl des Einzelnen ausrichtet, anstatt den einzelnen Menschen dem Wohl eines Kollektivs, einer verklärten Allgemeinheit unterzuordnen.

Anstatt Wohlstand von der Unterordnung und dem Gehorsam des Einzelnen gegenüber Allgemeinheit, Staat oder Führer abhängig zu machen. Besonders dann nicht, wenn ein solcher Führer ein gescheiterter Postkartenmaler aus Österreich, ein gegelter Lügenbaron aus der bayrischen Provinz, oder ein abgehalfteter Sozialdemokrat mit Islamophobie aus dem Berliner Bankengewerbe ist.

 

 



 

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